Diskussion

Diskussion

Die wachsende Produktion und Nutzung von Palmöl hat seit den frühen 2000ern weltweit eine der hitzigsten Diskussionen über die Schäden durch Landwirtschaft angefacht. Von unkritischen Befürwortern bis zu radikalen Gegnern jeder Nutzung von Palmöl finden sich hier alle Positionen. Oft sind sie leider uninformiert und vermischen wichtige Aspekte. Wir geben in dem folgenden Abschnitt kurze und faktische Übersichten zu den wichtigsten Themen bezüglich Palmöl. Weiterführende Information erreichen Sie über die eingebauten Links.

Warum Palmöl?

Seit 2005 ist der Weltjahresverbrauch von Palmöl von 35 auf über 60 Mio. Tonnen gestiegen. Damit ist Palmöl, genauer gesagt Palmfruchtöl, inzwischen das weltweit wichtigste Pflanzenöl. Seine Beliebtheit verdankt es zum einen seiner ungewöhnlichen Fettsäurezusammensetzung und der damit verbundenen reichhaltigen Anwendungsvielfalt. Es wird in Lebensmitteln eingesetzt (Backfette, Margarine, Brotaufstriche, Eiscreme), Kosmetika (Seifen, Hautcremes), Reinigungsmitteln und anderen Chemikalien. Seit den 2000ern bei steigendem Rohölpreis zunehmend auch als kostengünstiger Energieträger (Heizöl, Biodiesel).

Anderseits können hochgezüchtete Ölpalmen (Elaeis guineensis) Flächenerträge von bis zu 6 Tonnen Palmöl pro ha erzielen, ein mehrfaches der von Soja, Raps oder Sonnenblumenöl. Dies prädestiniert die Ölpalme für den großflächigen Plantagenanbau in den Tropen, wo sich niedrige Produktionskosten und niedrige Abgabepreise bei trotzdem hohen Gewinn erzielen lassen. Außer dem Fruchtfleisch liefern Palmfrüchte den Palmkern. Palmkernöl ist in seiner Fettsäurezusammensetzung dem Kokosöl sehr ähnlich und ersetzt es zunehmend in technischen Anwendungen. Das hohe Gewinnpotenzial von Ölpalmanbau und Palmölproduktion erklärt, warum Regierungen und Privatfirmen in immer mehr tropischen Ländern den Anbau von Ölpalmen fördern. Fast ausschließlich in riesigen Monokulturen mit oft katastrophalen und weltweit kritisierten Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Umwelt.

Sollte der Palmölverbrauch im Energiesektor weiter unkontrolliert ansteigen, würden Anbauländer entsprechend die Neuanlage von Plantagen fördern mit hohen ökologischen und humanitären Kosten.

Ölpalme und Ökologie

Kleinflächig in den Tropen angebaut kann die Ölpalme ein Beispiel nachhaltiger Landwirtschaft sein. In Großplantagen auf Flächen von oft über 10.000 ha erzeugt sie fast unvermeidlich Schäden an Mensch, Tier und Umwelt. Insbesondere in Indonesien wird für neue Plantagen oft primärer Regenwald gerodet, unter Drainage des Torfbodens und Abbrennen des Pflanzenbestandes. Dadurch wird einheimischen Menschen und Tieren die Lebensgrundlage zerstört. Rauchemissionen von Brandrodungen in Sumatra beinträchtigen schon seit Jahren die Luftqualität in Singapur. Die meist saisonale Arbeit zieht Wanderarbeiter an, ohne ihnen und ihren Familien eine Basis, Schulen und andere wichtige Lebensvoraussetzungen zu bieten. Kinderarbeit in Plantagen ist nicht ungewöhnlich. Unter starkem öffentlichen Druck haben Produzenten und Anwender von Palmöl, so etwa der Großkonzern Unilever in Zusammenarbeit mit dem WWF, den Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) ins Leben gerufen. Dies ist ein guter erster Schritt in Richtung verantwortliches Management von Plantagen, doch scheint seine Durchsetzung lückenhaft. Vor allem aber verhindert er nicht die Neupflanzung von Plantagen. Und da Abnehmer in vielen Ländern kein Interesse an fairem und nachhaltigen Bio Palmöl haben gibt es auch für Öl aus verantwortungslos angelegten und betriebenen Plantagen einen weiterhin wachsenden Markt.

Der erwartete weitere massive Ausbau von Palmplantagen unter oft unkontrollierten Bedingungen erfordert verstärkten Druck in Industrieländern durch Verbraucher, die auf Faires und Bio Palmöl bestehen. Diese Nachfrage wird Serendipalm und Natural Habitats wachsen lassen die sich die Produktion von solchem Bio Palmöl zur Aufgabe gemacht haben. Die Politik ist vor allem gefordert, den Einsatz von Palmöl im Energiesektor, wo er das größte Wachstumspotenzial hat, stark zu beschränken oder ganz zu unterbinden. Die wichtigsten Forderungen an die Förderung fairen und nachhaltigen Palmöls sind in der Legauer Erklärung zusammengefasst. Palmölproduzenten, Umweltverbände, Lebensmittel-, Kosmetikmarken und Verbraucher sind jetzt in der Pflicht, bei ihrer Umsetzung zu helfen.

Gesund oder nicht?

Die ernährungsphysiologischen Eigenschaften von Pflanzenölen sind vor allem bestimmt durch ihre Fettsäurezusammensetzung und ihren Gehalt an Spurennährstoffen.  Palmöl besteht, etwas variierend mit der Palmensorte, zu ca. 50% aus gesättigten und zu 40% aus der einfach ungesättigten Ölsäure, der Hauptfettsäure in Olivenöl. Über Jahrzehnte galten gesättigte Fettsäuren in der Nahrung als wichtige Ursache von Herz- und Kreislauferkrankungen, da sie angeblich den Blutcholesterinspiegel negativ beeinflußten. Seit 2005 haben zahlreiche wissenschaftliche Studien gezeigt, dass manche gesättigten Fettsäuren das Verhältnis der wichtigsten Cholesterinarten sogar positiv beeinflussen und dass mögliche Nachteile nicht so gravierend sind wie etwa die von Zucker oder Auszugsmehlen. Dies führt derzeit zur Neubewertung aller Fette mit hohem Anteil an gesättigten Fettsäuren, inklusive Milchfette, Palmöl und Kokosöl. Hinzukommt, dass unraffiniertes, rotes Palmöl einen sehr hohen Gehalt an Karotin und an Tocotrienolen, Verbindungen des Vitamin E Komplexes. Tocotrienole sind auch im raffinierten  Palmöl enthalten. Entsprechend wird Palmöl, rot oder raffiniert, inzwischen als insgesamt gesundes Speiseöl gesehen.

Verarbeitung und Schadstoffe

Rohes Palmöl ist dunkelrot und hat einen starken charakteristischen Eigengeschmack. Beides wird in der westafrikanischen Küche geschätzt, ist jedoch in den meisten Anwendungen in Küche und Körperpflege im Westen nicht akzeptabel. Dort sucht man, wie bei fast allen Speiseölen, raffinierte, gebleichte und desodorierte (RBD) Qualitäten. Bei der Desodorierung von Pflanzenölen unter starkem Vakuum und bei hohen Temperaturen von über 240°C, entstehen krebsverdächtige Schadstoffe, z.B. Glycidyl-Fettsäureester und 3-Monochlorpropandiol (3-MCPD). Dies geschieht allerdings auch beim Raffinieren von Rapsöl und Sonnenblumenöl. Serendipalm hat seit 2014 eng und erfolgreich mit Kunden, wie Rapunzel und GEPA und mit Ölraffinierern zusammengearbeitet, um die Entstehung dieser Schadstoffen zu minimieren. Unsere Hauptmaßnahmen sind die Optimierung von Fruchtreife und Reduzierung der Desodorierungstemperatur. Hierdurch kann Serendipalms raffiniertes Bio Palmöl den kürzlich durch das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) erheblich gesenkten Leitwert für die akzeptable tägliche Aufnahme dieser Verbindung weiter einhalten.

Externe Links:

Ökologische Aspekte, bei Palm Oil Done Right (EN)

Palmöl, ökologische & soziale Aspekte (BR)

Beitrag zur Diskussion von Greenpeace 

 

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